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Weltwunder aus dem Gold der Ostsee Weltwunder aus dem Gold der Ostsee
 
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Das neue Bernsteinzimmer

Weltwunder aus dem Gold der Ostsee

Ein Film von Anne Gellinek

St. Petersburg feiert seinen 300. Geburtstag und pünktlich zum Stadtjubiläum wird das berühmte Bernsteinzimmer im Katharinenpalast von Zarskoje Selo wieder eröffnet.

05.03.2003

 

   Petja wühlt mit dem Spaten in der lehmigen Erde, als ob sein Leben davon abhinge. Ab und zu lugt er aus der drei Meter tiefen Grube, guckt ob die Luft rein ist. Mit den Fingern betastet er die Klumpen blaugrauen Lehms und klaubt drei unscheinbare graue Brocken heraus. "Was ich hier mache? Ich verdiene Geld. Für so kleine Dinger kriege ich allerdings höchstens fünf Dollar pro Kilo. Also weitermachen, bevor die Aufpasser mich kriegen!"
 
 
Bernsteinabbau im Kaliningrader Gebiet

Wir sind im Bernsteinland, an der russischen Samlandküste im ehemaligen Ostpreußen. Die "Aufpasser" verprügeln jeden der illegalen Glücksritter erbarmungslos. Engagiert hat sie der Bürgermeister, der den illegalen Bernsteinhandel endlich austrocknen will. Eine fast unmögliche Aufgabe, solange der honigfarbene Stein begehrt und die Leute im Gebiet Kaliningrad arm sind.

 
 
  

Bernsteinabbau ist eine Staatsangelegenheit in Russland und in den letzten Jahren ganz besonders: Nur die dicksten Brocken und die klarsten Steine schaffen es dorthin, wo aus Bernstein ein Wunder geschaffen wird: in den Katharinenpalast bei Sankt Petersburg. 500 Dollar kostet ein Kilo bester Qualität, und für das neue Bernsteinzimmer in Sankt Petersburg wurden Tonnen gebraucht.

 
 
Bernsteinschnitzer

In der "Masterskaja", der Bernsteinwerkstatt in Sankt Petersburg, lärmen Bohrer und kratzen Polierbürstchen, es wird gefeilt und gehobelt. Die Spezialisten legen letzte Hand an, um das neue Bernsteinzimmer fertig zu stellen. Nach fast 20 Jahren Arbeit - Handwerk ebenso wie hohe Kunst - Endspurt vor der festlichen Übergabe zur 300-Jahr-Feier von Sankt Petersburg am 31. Mai. Bis dahin muss jedes noch so kleine Detail an die richtige Stelle. Barocke Pracht aus einer halben Million Bernsteinstückchen.

Oleg Muraschow hält ein halbdurchsichtiges geschwungenes Plättchen gegen das Licht. "Bernstein ist ein anspruchsvoller Stoff, wir nennen ihn "Seife", weil man bei der Bearbeitung schnell mit dem Bohrer abrutscht oder ein Stück abbricht, und dann kann man die Arbeit von zwei Monaten wegschmeißen."

 
  

 
  

Mosaike und Schnitzereien bedecken wieder die Wände der 100-Quadratmeter-großen "Glitzerkammer" und sollen bei der Eröffnung die Besucher in helles Staunen versetzen. Wie einst das Geschenk des preußischen Soldatenkönigs für Zar Peter den Großen. Nicht umsonst wurde das Bernsteinzimmer das achte Weltwunder genannt. Und nicht umsonst rankt sich eine Legende um das Juwel, das in den Kriegswirren des Zweiten Weltkriegs verloren ging.

 
 
Detail aus dem Bernsteinzimmer

Eigentlich ist Oleg Muraschow Elektrotechniker. Doch als der deutsche Ruhrgas-Konzern begann, die Wiederherstellung des verschollenen Bernsteinzimmers zu sponsern, schmiss der Hobby-Juwelier seinen Job: Nach jahrelangen Finanzproblemen stellte die "Masterskaja" nun zusätzliche Talente ein. Oleg hat es nicht bereut, auch wenn er nicht weiß, wie es mit der Werkstatt nach der Fertigstellung des Zimmers weitergeht. "Vielleicht," sagt er, "guckt ja irgendein Ölscheich zu, wenn Kanzler Schröder das Bernsteinzimmer im Mai übergibt. Und bestellt sich dann auch so ein Weltwunder."

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This article was published on Donnerstag, 04. August 2005.
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